Blick in den Spiegel

Nicht erschrecken, ich muss mal kurz nach Hause kommen. Ich störe auch nicht lange. Ich muss mich kurz setzen und etwas aufschreiben. In letzter Zeit spielt Musik wieder eine große Rolle.
Was hat uns denn die Musik in den letzten Jahrzehnten gelehrt? Was gegeben?
Musik war immer Ausdruck. War immer Sprache. Mittel um Dinge zu verarbeiten. Stärke. Zusammenhalt. Eine der wenigen Konstanten in einer sich ständig verändernden Zeit.
Kennt ihr die Videos „year xxxx: i love this song – year xxxx: i understand this song“ auf social media? Da ist was dran. Ist ja auch logisch, Texte in anderem Kontext verändern immer ihre Bedeutung.
So viele Lieder, die Gedanken in die richtige Richtung bringen. Um zu reflektieren. Und vielleicht auch Motivation und Inspiration zu geben. Fokus sowieso. Um es mit Thees Uhlmann zu sagen:
Weiterlesen: Blick in den SpiegelWir singen, um uns zu erinnern
Meine Wahrheit in 17 Worten:
Ich hab‘ ein Kind zu erziehen
Dir einen Brief zu schreiben
Und ein Fußball-Team zu supportenThees Uhlmann – 17 Worte
2 Dinge davon haben ganz gut funktioniert. Den Brief bin ich noch schuldig. Aber auch das wird passieren. Und dann werde ich dir schreiben das du wieder da bist. Dieses Mal ohne es zu merken. Weißt du noch als du das erste Mal da warst? Also so richtig? Du hattest gleich die erste Lektion im Gepäck. „schau genauer hin, es ist mehr da als auf dem ersten Blick zu sehen ist.“
Mit deiner Geduld und Begeisterung zeigtest du eindrucksvoll was das bedeutet. Ich habe dir nie gesagt wie beeindruckt ich von dir war. Ich werde es dir schreiben. Es war 1999. WTF?!
Wir sind 15 Jahre und hängen am See
Die Sonne geht unter, die Vögel singen
Es läuft „auf gute Freunde“, du hältst meine HandFeine Sahne Fischfilet – 15 Jahre
Weißt du noch wie schwer es damals war zu telefonieren? Man musste zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein. Die Festnetztelefone hingen zwar nicht mehr am Kabel, aber auch die Reichweite war endlich. Es hat immer geklappt. Den Tag und die Uhrzeit wusste man genau. Und wenn ich dann mal wieder was blödes sagte, hast du geschwiegen. Du konntest sehr laut schweigen. So laut, dass ich über meine Worte nachdachte und für dich wieder die richtigen fand.
Ich hatte so viel zu lernen, doch lernte nicht schnell genug. Mit dem Crash-Kurs war ich überfordert und doch genoss ich jede Minute. Minuten, Stunden und Tage, die bis heute im Kopf sind. Du machtest mich unbesiegbar. Und doch wurde ich besiegt. Von mir selbst. Nichts, wirklich gar nichts, bereue ich mehr als das.
Und irgendwann hast du´s verziehen
Und wir haben ja alle Zeit um uns aus dem Weg zu gehenJupiter Jones – Wir sind ja schließlich nicht Metallica
Vieles danach hatte mit dir zu tun. Das weiß ich heute. Aufgebaute Verhaltensmuster, die teilweise bis heute halten. Vielleicht schreibe ich dir welchen impact du 2009 hattest. Vielleicht schreibe ich dir das ich 2026 erstmals ausführlich über dich gesprochen habe. Vermutlich schicke ich dir den Link hier hin. So viele Dinge und Gedanken, die einfach aufgeschrieben gehören. Aber ganz ehrlich:
I’m searching for the words inside my head
‚Cause I’m feeling nervous
Trying to be so perfect
‚Cause I know you’re worth it
You’re worth itAvril Lavigne – Things I’ll Never Say
Ich weiß noch einiges was du sagtest, aber ich weiß nicht mehr wie deine Stimme klingt. Irgendwie hat sich das Schreiben durchgesetzt.
Vielleicht rufst du ja mal an und wir reden über gestern, heute und morgen. Und wenn ich dann wieder was blödes sage, schweigst du wieder. Ich würde es gerne hören.
Vorher muss ich aber noch bisschen aufräumen. Mit den Jahren häufen sich so viele Dinge an. Man bemerkt es selbst nicht, man ist ja zu beschäftigt oder besser gesagt abgelenkt. Ausreden findet man immer sich nicht mit wichtigen Dingen beschäftigen zu müssen. Dinge, die einen echten Mehrwert für einen selbst bringen.
Aber weißt du was praktisch ist? Der Körper hat da Mechanismen Signale zu geben. Die Methoden halte ich zwar für fragwürdig, aber was soll er auch machen? Brief schreiben geht nicht. Entscheidend ist das die Botschaft ankommt.
Die Bauanleitung für den Prozess lag auch schon lange vor:
Wirf einen Blick, einen Blick in den Schädel
In deine von Angst gequälte Seele
Sie sucht Gesellschaft und wühlt im Dreck
Nimm das Messer und schneid das Unwichtige wegDer W – Angst
Die Aufgabe ist es zu erkennen, was wichtig und was unwichtig ist. Da gibt es sicher kein Patentrezept, keine Blaupause. Die Basis ist offen und ehrlich zu sich selbst zu sein. Kein Verdrängen mehr. Jedes Thema bekommt seinen Raum.
Das ist manchmal anstrengend, gibt aber auch in vielen Momenten extrem viel Energie. Was ist das beste was die nächsten 1-2 Jahre passieren kann? Wie hoch ist die (realistische) Wahrscheinlichkeit dafür? Habe ich Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit?
Die Antworten darauf helfen bei der Priorisierung und Strukturierung der Gedanken. Und schon ist ein bisschen aufgeräumt. Ob das nachhaltig ist? Keine Ahnung. Hilft aber für den Moment sehr. Identität und Werte sind auch wichtige Eckpfeiler.
Und am Ende kommt Spotify um die Ecke und spült mir einen Song auf die Ohren, den ich Minimum 10 Jahre nicht gehört habe. Im genau passenden Moment.
Ich habe alles und doch nichts gesehen
Und ich fange an zu verstehen
Wer ich bin und was ich war
Vielleicht zum allerersten MalBöhse Onkelz – Einmal
Außerdem gilt es ein paar Dinge nachzuholen. Die „du wolltest doch noch“ Dinge müssen weniger werden. Beispiel: Ich habe 2012 (!) ein Foto bekommen mit dem Wunsch es hier zu verwenden. Das habe ich auch sehr gerne versprochen. Nur der passende Moment kam nicht. Kein Text war persönlich genug um das Foto zu verwenden. Das Ding wanderte von PC zu PC. Immer in der Hoffnung nochmal Verwendung zu finden.
Wenn man immer auf den perfekten Moment wartet, kommt er vielleicht niemals. Es ist jetzt pädagogisch nicht wertvoll, dass jetzt der perfekte Moment gekommen ist. Nehme ich aber trotzdem.
Besten Dank und liebe Grüße an Sandra an dieser Stelle – für das lange Warten hast du jetzt mit deinem Tattoo eine lange Zeit auf der Startseite. Ist doch auch was. Ein Punkt weniger auf der Liste, ein weiteres Versprechen gehalten.
Das war ein kleiner Einblick in die Reise der letzten Monate. Ich lasse euch noch einen letzten Songtext da, um den Kreis zum Bild und Titel zu schließen.
Und die Reise ist noch nicht zu Ende…
Die Segel sind gehisst
Ich lege ab und strecke meine Fäuste in den Wind,
wir sehen uns wieder
Mein Steuerrad gehorcht nur mir
Der Kompass zeigt auf LebenEschenbach – Blick in den Spiegel
Artikel hauptsächlich geschrieben für (M.) L. K. – danke für die Energie!
Encore
Es ist kein Zufall, dass der Artikel am 06.09. veröffentlicht wurde. Das zu erklären wäre jetzt bisschen zu nerdig. Hat aber was mit Poker zu tun.
Außerdem passt es ganz gut zur 9er-Reihe. Nach 9 Jahren der erste Artikel. Den nächsten gibt es in exakt 9 Monaten. Am 06.06.2027. Aus Gründen.
Ich habe im Vorfeld mal kurz auf die Besucherzahlen des Blogs geschaut und war mir relativ sicher recht alleine zu sein nach all der Zeit. Bin ich nicht. Die meisten Monate dieses Jahr waren fünfstellig, sicher auch begünstigt durch die Touren von Der W und den Onkelz, aber trotzdem: Seid ihr irre? Danke für die Treue und das zeigt auch, wie wertvoll so ein Archiv ist.
Leute, bleibt musikalisch, ehrt die Musik/Texte, unterstützt eure Lieblingskünstler und vor allem: Passt gut auf euch auf!
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